Gaudez, Adrien Etienne (1845-1902), Mozart, um 1880
Adrien Etienne Gaudez(1845 Lyon - 1902 Neuilly-sur-Seine), Mozart , um 1880. Braun patinierte Bronze auf gegossenem Sockel, 49 cm (Gesamthöhe) x 24 cm (Breite) x 20 cm (Tiefe), 10,8 kg, im Stand mit „A.[drien] Gaudez“ signiert, schauseitige Plakette „Mozart par A. Gaudez. Hors-Concours“.
- in ausgezeichnetem Zustand, einzig eine Saite der Violine lose
- Die Leichtigkeit der Klänge -
Mozart stimmt seine Violine und lauscht den Tönen. Gerade hat er mit dem Daumen eine Saite angeschlagen, während er mit der anderen Hand – falls nötig – eine letzte Korrektur mit dem Feinstimmer vornimmt. Indem der Zeigefinger den Feinstimmer noch nicht berührt, wird der Moment des Hörens besonders hervorgehoben. Dementsprechend neigt Mozart sein Ohr Richtung Violine. Dabei ist er mit gesenkten Augenlidern ganz vom Ton absorbiert. Dieses Erfüllt-Sein vom Klang bringt seine ganze Haltung zum Ausdruck: Mozart steht in einem beinahe spielerisch bewegten Kontrapost da und sein Körper ist im Ganzen etwas zur Seite geneigt. Auch die Rockschöße bewegen sich in einer leichten Schwingung und selbst die Patinierung verbreitet einen vibrierenden Schimmer. Adrien Etienne Gaudez gelingt es auf meisterhafte Weise, die musikalischen Klänge präsent werden zu lassen und dabei den aus einer komplexen Artifizialität resultierenden Charakter einer ‚natürlichen Leichtigkeit‘ von Mozarts Musik zu veranschaulichen. Eine Wirkung, die bei der seltenen großen Ausführung der Statuette besonders eindringlich zur Geltung kommt.
zum Künstler
Nach dem Studium an der an der École des Beaux-Arts in Paris bei François Jouffroy stellte Adrien Etienne Gaudez ab 1864 im Pariser Salon aus und wurde 1881 mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Während des Deutsch-Französischen Kriegs geriet er 1870 in Gefangenschaft. In der Folge schuf er zahlreiche steinerne Denkmäler für den öffentlichen Raum. Sein hauptsächliches künstlerischen Wirken bestand jedoch in der Schöpfung von Salonfiguren aus Bronze. Dabei veranschaulichen seine ausdrucksstärksten Werke musikalische Themen.

